Teil 2 yamas - niyamas
philosophischen Grundlagen
Philosophische und ethisch moralische Grundlage des Yoga stellt das System des achtgliedrigen Pfades dar, den Patanjali in den Yogasutras fixiert hat. Zentrale Punkte sind die Yamas (fünf Empfehlungen für Verhaltensweisen mit anderen) und die Niyamas (fünf Empfehlungen für die persönliche Lebensführung).
Yamas sind die erste Stufe des achtgliedrigen Pfades von Patanjali und eröffnen dir einen Verhaltenskodex im Umgang mit deiner Umwelt. Sie sind fünf ethische Prinzipien der Enthaltung. Dies bedeutet nicht, dass man zum lebensentsagenden Asketen werden soll. Vielmehr wollen die Empfehlungen dazu auffordern, das eigene Verhalten, das Denken und die Einstellung zu hinterfragen. Was ist nötig? Was macht Sinn? Was passt zu mir? Was kann ich ändern? Was kann ich loslassen? Was brauche ich nicht?
Mit den Niyamas, der zweiten Stufe des achtgliedrigen Pfades bekommst du fünf ethische Prinzipien zur Selbstreinigung. Zunächst einmal scheinen diese Prinzipien unabhängig voneinander zu sein. Je mehr man sich damit beschäftigt, umso mehr greifen sie ineinander und ergänzend sich. Wie die Yamas sind auch die Niyamas nicht als enge Verhaltensvorgabe zu verstehen. Sind stellen Ideale und Ziele dar, nach denen man sein Leben schrittweise immer mehr ausrichten kann.
Gemeinsam bilden Yamas und Niyamas die Grundlage des Lebens eines Yogis.
yamas - Empfehlungen für den ethischen Umgang mit anderen
„ahimsa“ = Nicht-Verletzen, Liebe, Mitgefühl
Dieses Verhaltensgebot hält uns an keine Gewalt auszuüben. Nicht nur Gewalt gegen Menschen ist damit gemeint, sondern auch Gewalt gegenüber anderen Wesen und der Natur.
„satya“ = Wahrhaftigkeit, Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit
Hier geht es darum, dass du zunächst mit dir in einen ehrlichen Dialog gehst, belüge dich nicht selbst und gestehe dir auch Fehler ein. Wähle auch in Gesprächen mit anderen deine Worte bewusst und sensibel.
„asteya“ = Nicht-Stehlen, Begierdelosigkeit, Großzügigkeit und Geben
Das Yama hält uns dazu an begierdelos zu sein und nichts zu nehmen was einem nicht gehört. Es geht auch darum, nicht immer mehr zu wollen als man hat, vielmehr kommt es darauf an, Verlangen in Dankbarkeit zu wandeln.
„brahmacharya“ = Vermeidung oder (realitätsnäher) Nicht-Verschwenden, mit Bedacht genießen, Maß halten
Bei diesem Yama geht es darum kontrollierter zu leben und nichts im Übermaß zu konsumieren (z. B. Alkohol, Medien, Süßigkeiten). Dazu gehört auch Mahlzeiten mehr zu genießen und langsam zu dir zu nehmen, aber auch weniger verschwenderisch mit unserer Umwelt zu sein.
„aparigraha“ = Nicht-Horten, Großzügigkeit, Freundlichkeit ohne Hintergedanken
Das Yama fordert dazu auf, nicht mehr Dinge anzuhäufen als wirklich notwendig. Wörtlich übersetzt heißt Aparigraha nicht umfassen, nicht gierig sein, bescheiden sein, loslassen, gelassen zu sein. Das heißt, es geht auch darum sich von alten Gewohnheiten oder altem Besitz zu trennen und Raum für Neues zu schaffen.
niyamas - Empfehlungen für die persönliche Lebensführung
„shaucha“ = Reinheit
Darunter verstehen wir, dass du deinen Körper und deine Wohnung reinhältst. Dazu gehört eine gesunde Ernährung ohne Schadstoffe. Es gibt aber nicht nur das Shaucha auf körperlicher Ebene, sondern auch auf geistiger Ebene. Wenn du nicht du selbst bist beziehungsweise nicht im Reinen mit deinem Geist bist, zum Beispiel weil du traurig bist, dann kommst du ins Ashaucha, das heißt du bist unrein und von dir selbst entfernt. Dann kannst du versuchen wieder ins Shaucha zu kommen. Die Reinhaltung des Körpers erreichst du neben einer gesunden Ernährung durch eine kontinuierliche Asana-Praxis (Asanas sind Yogahaltungen). Auch Meditation, Pranayama (Atemübungen) und Kriyas (Reinigungsübungen) helfen dir in deinen Körper zu kommen, eine innere Reinheit, ein heiteres Gemüt und eine gute Konzentration zu erlangen. Einige Menschen fasten beispielsweise, um geistige Klarheit zu erlangen.
„santosha“ = Zufriedenheit
Santosha bedeutet Zufriedenheit und die Dinge so zu nehmen wie sie passieren oder den anderen so zu akzeptieren wie er/sie ist. Es bedeutet auch mit sich selbst, mit seinen Mitmenschen und der Welt in Frieden zu sein. Du kannst daran wachsen was auch immer passiert. Begebe dich nicht in die Opferrolle und höre auf dich zu beklagen, dich zu ärgern oder zu schimpfen. Sieh es vielmehr als eine Aufgabe, die gerade ansteht bzw. gelöst werden muss und die zu deinem Entwicklungsweg gehört.
„tapas“ = Disziplin und Askese
Tapas bedeutet Hitze oder Wärme. Tapas bedeutet spirituelle Praxis, die mit Begeisterung ausgeführt wird. Es ist auch das bewusste Tun von etwas, das du nicht magst oder das dich anstrengt. In dem du aber bewusst etwas tust, was dir (zunächst) keine Freude bereitet oder dich Kraft kostet, wirst du an Willenskraft dazugewinnen. Das können die Asanas sein, die du jeden Tag oder jede Woche übst oder ein Fasten-Tag, um deinen Körper zu reinigen.
„swadhyaya“ oder Selbststudium
Swadhyaya bedeutet zum einen Selbstreflexion, d. h. versuche mehr über dich selbst herauszufinden. Dabei können dir Meditation und/oder Tagebuch schreiben helfen. Es bedeutet aber auch, dass du Schriften liest, die dich inspirieren und dich auf deinem spirituellen Weg der Selbstverwirklichung weiterbringen. Dies können zum Beispiel die Bibel oder das Yogasutra von Patanjali oder andere Texte mit spirituellem, philosophischem oder religiösem Inhalt sein.
„ishvara“ = Hingabe an das höchste Ideal, an Gott
Ishvara kann ein persönlicher Gott sein, aber auch eine Frau, ein Kind, ein Mann, eine Idee, im Prinzip der individualisierte Spirit. Dies kann für jeden etwas anderes bedeuten. Es ist also kein Gott im religiösen Sinne gemeint, sondern es geht darum sich hinzugeben und anzuvertrauen, um alles in seiner Vollkommenheit zu erkennen. Es geht darum mit Hilfe von Meditation den eigenen Geist aufmerksam zu beobachten, sich in Selbsthingabe zu üben und Gelassenheit, Urvertrauen und Akzeptanz zuzulassen.

