Teil 1 Leitfaden

Yoga zu praktizieren gibt uns die Möglichkeit, sich körperlich zu kräftigen, Beweglichkeit zu erlangen und Körpergefühl zu entwickeln. Gleichzeitig eröffnet es auch Wege, sich emotional weiterzuentwickeln, die Persönlichkeit zu stärken und innere Herausforderungen anzunehmen.

 

Mein persönlicher Yogaweg startete, so wie bei den Meisten, mit körperlichen Übungen, den Asanas. Nach einer Weile kam der Atem als wichtiges Element dazu. So wurden meine Wahrnehmungen, mein Körpergefühl und meine Stabilität schrittweise immer feiner und stabiler.

Ohne es zunächst zu merken, lernte ich, während Yogastunden immer mehr loszulassen, im Moment zu sein und mich selbst zu beobachten. Dadurch zeigten sich, zunächst versteckt, dann zunehmend deutlicher, innere Themen, Widerstände und Fragestellungen, die erkannt und bearbeitet werden wollten.

 

Während der Ausbildung zum Yogalehrer lernte ich dann sehr viel über Zusammenhänge, wissenschaftliche Vorstellungen und philosophische Gedanken, Werte und Bilder.

 

Der achtgliedrige Pfad nach Patanjali

Als ein zentrales Werk des Yoga gilt „Das Yoga Sutra” von Patanjali. In 196 Sutren (Versen) formulierte Patanjali vor rund 2000 Jahren einen Leitfaden zur Yogapraxis. Es werden grundsätzliche Weisheiten, Übungsanleitungen, Hinweise für das Atmen, Richtlinien zur Lebensführung und eine Anleitung für einen Weg zur Erleuchtung in stark verdichteter Versform zusammengefasst. In einer schrittweisen Anleitung zum guten Leben beschreibt er einen achtstufigen Pfad:

Yamas – Umgang mit deiner Umwelt

Niyamas – Umgang mit dir selbst

Asana – Yoga-Übungen

Pranayama – Atemübungen

Pratyahara – Rückzug der Sinne

Dharana – Konzentration

Dhyana – Meditation

Samadhi – Erleuchtung

 In den nächsten Blogs werden diese acht Stufen ausführlicher erläutert.

Veränderung beginnt immer in mir/dir

Durch meine regelmäßige Yogapraxis und das Beschäftigen mit Yogatexten, Reinigungstechniken und Meditation wird Yoga für mich immer mehr zu einer Lebensform, die das Ziel hat, Harmonie und Balance zu finden.

Täglich suche ich Wege und Möglichkeiten, um Yoga in mein Verhalten, mein Denken und mein Leben einfließen zu lassen. Dabei geht es nicht so sehr um konkrete Handlungen und Anlässe, sondern um eine innere Haltung, die mir hilft, den heutigen Herausforderungen zu begegnen und dennoch einen inneren Frieden zu erreichen.

 

Eine große Herausforderung stellt für mich der aktuelle Wandel unserer Welt, unserer Gesellschaft und unserer Natur dar. Zwar beschäftigen mich die rationalen Fakten zur Radikalisierung unserer Gesellschaft, die zunehmende Rücksichtslosigkeit und das weitverbreitete Aufgeben der Eigenverantwortung genauso wie die Klimaerwärmung, die vielen Extremwetter oder das Artensterben.

 

Mein Denken, meine Einstellung und mein Verhalten ändern sich aber durch Anstöße auf einer anderen Ebene. Ich stelle einen schrittweisen inneren Wandel fest, der durch regelmäßige Yogapraxis und Meditation in Kombination mit einem immer offeneren und sensibleren Blick angestoßen wird. Meine Einstellung und meine Beziehung zu meinen Mitmenschen und zur Natur verändert sich so immer mehr. Ich nehme zunehmend meine Verbundenheit mit allem wahr, wodurch das Bedürfnis wächst, im Einklang mit dem zu leben, was mich umgibt.

Werte, die sich immer mehr für mich als grundlegend herausstellen sind Respekt (vor allem für das Leben), Empathie (mit anderen Lebewesen und der Umwelt)

Dankbarkeit (für das, was ich habe), Verantwortungsbewusstsein (für mein Handeln und meinen Einfluss) und Mut (andere Wege zu gehen, als es mir eine kapitalistische Gesellschaft diktiert). Diese Werte, vom Yoga angestoßen und beeinflusst, dienen mir als Anleitung, Orientierung und Unterstützung. Sie bringen mich dazu, immer mehr ein Leben in Einklang mit mir selbst, mit meinen Mitmenschen und der Natur zu leben.

 

Der achtgliedrige Pfad nach Patanjali kann für jeden eine Anregung sein, über sich, sein Leben und die Herausforderungen nachzudenken. Dabei sind die einzelnen Sutren mit ihren Weisheiten und Hinweisen nicht wörtlich zu nehmen. Vielmehr wollen sie immer wieder neu gelesen und interpretiert werden. Es gibt keine allgemeingültige Auslegung. Wichtig sind immer die eigene Situation, das aktuelle Vermögen und Möglichkeiten, die man gerade hat.