Emotionen und Gefühle: Was dein Körper dir sagen will
Während oder nach Yogastunden kommt immer wieder die Frage nach physiologischen Zusammenhängen auf. Wir praktizieren Yoga, üben Asanas und den Atem, wir meditieren – aber was macht dies alles mit uns, außer, dass wir den Körper stärken und das Körpergefühl verfeinern. Gibt es auch einen Bezug zu Gefühlen und Emotionen? Und lässt sich dies medizinisch nachweisen?
Wir sind ständig von Emotionen und Gefühlen begleitet, sie beeinflussen unser Verhalten und unsere Entscheidungen, sie färben Eindrücke und prägen Beziehungen – und wir nehmen es meist gar nicht bewusst wahr.
Wie entstehen und wirken sie eigentlich?
Wie unterscheiden sich Emotionen und Gefühle?
Antonio Damasio (Neurobiologe) unterscheidet zwischen Emotion und Gefühl: "Emotionen sind komplexe, größtenteils automatisch ablaufende, von der Evolution gestaltete Programme für Handlungen. Ergänzt werden diese Handlungen durch ein kognitives Programm, zu dem bestimmte Gedanken und Kognitionsformen gehören; die Welt der Emotionen besteht aber vorwiegend aus Vorgängen, die in unserem Körper ablaufen, von Gesichtsausdruck und Körperhaltung bis zu Veränderungen in inneren Organen und innerem Milieu. Gefühle dagegen sind zusammengesetzte Wahrnehmung dessen, was in unserem Körper und unserem Geist abläuft, wenn wir Emotionen haben. Was den Körper betrifft, so sind Gefühle nicht die Abläufe selbst, sondern Bilder von Abläufen; die Welt der Gefühle ist eine Welt der Wahrnehmungen, die in den Gehirnkarten ausgedrückt werden." … „Eine Emotion ist ein unbewusstes Handlungsmuster in deinem limbischen System. Ein Gefühl hingegen ist das bewusste Erleben dieser Emotion als körperliche Empfindung. Stell dir das so vor: Die Emotion ist wie ein kurzer elektrischer Impuls, das Gefühl ist deine persönliche Geschichte dazu.“
(A. Damasio: „Selbst ist der Mensch: Körper, Geist und die Entstehung des menschlichen Bewusstseins“; Pantheon Verlag; 2013)
Emotionen entstehen im limbischen System als spontane Reaktion des Gehirns auf bestimmte Reize oder Situationen. Dieser Vorgang läuft sehr und ohne bewusstes Denken oder Handeln. Das bewusste Wahrnehmen und Interpretieren dieser Emotionen nennt man Gefühle - positive oder negative.
Die Psychologie hat mittlerweile eine Liste von Emotionen erstellt, die universell und kulturübergreifend sind. Demgegenüber sind Gefühle individuell und werden von Erfahrungen und erlebter Kultur geprägt. Eine Emotion kann binnen Sekunden kommen und gehen. Ein Gefühl wie Trauer hingegen kann über Wochen oder Monate präsent sein.
Wie entstehen Emotionen und Gefühle?
Das limbische System
Das emotionale Erleben läuft über das limbische System, welches im Zentrum des Gehirns liegt. Informationen, die unsere Sinne (riechen, sehen, hören) sammeln, werden hier gesammelt und sofort mit Erfahrungen und Erinnerungen verknüpft. Auf diesen Vorgang haben wir keinen Zugriff.
Dein limbisches System besteht aus mehreren Strukturen:
Hippocampus > emotionales Langzeitgedächtnis
Amygdala > verarbeitet emotionale Reize, kann z.B. Angstreaktionen auslösen
Hypothalamus > reguliert lebenswichtige Funktionen, z.B. Herzschlag und Stoffwechsel
Das autonome Nervensystem
Wir verfügen über ein zweites System, welches Emotionen und Gefühle mit dem Körper verbindet. Das autonome Nervensystem gliedert sich in mehrere Teile:
· Das enterische Nervensystem (dein “Bauchhirn”)
· Das sympathische Nervensystem (dein “Gaspedal”)
· Das parasympathische Nervensystem (deine “Bremse”)
Der Sympathikus beeinflusst bei Stress und Angst den Herzschlag, er beschleunigt sich. Gleichzeitig wird die Atmung flacher und die Pupillen weiten sich.
Umgekehrt beruhigt der Parasympatikus bei Ruhe oder Entspannung den Herzschlag, die Atmung wird tiefer und das Verdauungssystem arbeitet effizienter. Diese körperlichen Veränderungen sind nicht nur Begleiterscheinungen deiner Emotionen – sie sind ein wesentlicher Teil davon.
Warum ein gesunder Umgang mit Emotionen dein Leben verändert
Emotionen zu kontrollieren oder zu unterdrücken, kann gefährliche Folgen haben. Wenn Gefühle regelmäßig unterdrückt werden, stauen sie sich auf. Dieser innere Druck sucht sich dann – manchmal in Form eines emotionalen Ausbruchs, wenn es sich über einen längeren Zeitpunkt hinzieht, kann es auch zu körperlichen Symptomen wie Kopfschmerzen, Verspannungen oder Schlafstörungen kommen.
Zu lernen, Emotionen anzunehmen und auszudrücken, stärkst sich das Selbstvertrauen, Selbstwertgefühl und es entwickelt sich eine positive Lebenseinstellung.
Viele haben heutzutage Schwierigkeiten, eigene Gefühle zu erkennen, zu verstehen und zu benennen. Dieses Phänomen nennt sich Alexithymie. Sie kann verschiedene Ursachen haben:
· genetische Faktoren
· traumatische Erlebnisse
· emotional karge Kindheit
Um Gefühlsregungen bewusster wahrzunehmen, bieten sich verschiedenste Formen der Körperarbeit an: Yoga, Meditation, verschiedene Entspannungstechniken oder Yoga Nidra schärfen die Sinne für subtile emotionale Signale.
Wechselwirkungen zwischen Emotionen, Organen und Verhaltensweisen
Emotionen und Gefühle im Alltag
Wenn man seine Emotionen erkennt und akzeptiert, können stressige Situationen souveräner besser bewältigt werden. Es finden sich schneller Lösungen und man bleibt auch in hektischen Phasen handlungsfähig. Werden dagegen Gefühle ignoriert, können sich Frustration und Unbehagen aufstauen und zu Konflikten oder körperlichen Beschwerden führen.
Wer die eigenen und fremden Gefühle wahrnimmt und respektiert, kommuniziert klarer und baut stabilere Beziehungen auf.

